Probleme der Darstellung anthropologisch-medizinischen Wissens in der Moderne


Gemeinsame Fragestellungen der Einzelprojekte


Darstellung


Künste und moderne Wissenschaften erzeugen ihr Wissen über Repräsentationen. In
ihnen ist Darstellung nicht nur ein Produkt, sondern auch ein Prozess medialer Herstellung. Der Status der Darstellungsverfahren hat sich in den epistemischen Umbrüchen der Moderne entscheidend verändert und an Bedeutung gewonnen. Was den Künsten mit ihrem Mimesis-Anspruch seit der Antike eigentümlich war, erweist sich zunehmend als konstitutiv und zugleich problematisch auch für das wissenschaftliche Wissen. Die Projekte zielen auf diese Darstellungsproblematik der Wissenschaften.

Anthropologisches Wissen


Die Darstellungsgebundenheit der Wissenschaft betrifft besonders das Wissen vom Menschen. Als disziplinär gebundene, umfassende "Anthropologie" hatte dieses Wissen nur im 18. Jahrhundert Bestand. Die sich im 19. Jahrhundert differenzierenden "sciences humaines" legten eine brisante Leerstelle frei, die seit dem frühen 20 Jahrhundert auch die philosophische Anthropologie beschäftigt: Was sie erschließen, sind weder ontologisch, noch ethnisch, noch körperlich oder seelisch fundierte Universalien, sondern kulturell kodierten Formen, mit denen sich die Menschen als Menschen gewissermaßen konfigurieren und zur Darstellung bringen. So fragen die Projekte nach der Bedeutung der Darstellung für das medizinisch-anthropologische Wissen und nach der Partizipation der Künste an den technisch erzeugten Menschenbildern

Unschärfe und Bestimmung


Darstellende Medien bringen auf dem Wege zu einer immer präziseren Darstellung immer auch neue Unbestimmtheiten hervor. Was durch Beschleunigung und Vervielfältigung präzisiert werden soll, kann sich in Formen fluktuierender Übergänge bis hin zum Diffusen auflösen. Dies wird zunächst oft von der Faszination der Technik verdeckt und führt dann wiederum zu Anstrengungen, die das Unbestimmte in Bestimmung zurückzuführen sollen. In diesem fortlaufenden Prozess löst sich das einst metaphysisch gesicherte Sein, das dem Anthropologischen zugrunde zu liegen schien, zwar auf, es eröffnet sich aber auch die Möglichkeit zur Gestaltung oder zur gestalthaften Wahrnehmung des bisher Unbestimmten. Solche Prozesse sollen in den Einzelprojekten koordiniert bearbeitet werden.
Ferner begründet der grundsätzliche Pluralismus der westlichen Wissenschaft und Kunst der Neuzeit ein Nebeneinandertreten diachroner Abfolgen des Wissens. Dies verstärkt ebenfalls die Dynamik von Unschärfe und Bestimmung. Auch räumlich und zeitlich fernere Kulturen werden in diese Dynamik einbezogen. Die diachrone und interkulturelle Pluralisierung und Hybridisierung anthropologischen Wissens bildet daher ebenfalls einen zentralen Gegenstand der Forschung für die Projektgruppe.